Hallo zusammen,
ich würde mich gerne mit anderen getrennten Eltern austauschen und würde mich auch über eine Einschätzung der Fachkräfte freuen.
Ich bin seit einigen Jahren vom Vater meiner beiden jüngeren Kinder getrennt. Unsere Tochter ist 11 Jahre alt, unser Sohn gerade 4 geworden. Wir haben gemeinsames Sorgerecht.
Die Kinder sind jedes zweite Wochenende beim Papa. Freitags holt er beide bei mir zu Hause gegen 16 uhr ab und sie bleiben bis Sonntag, Rückgabe ist gegen 16 Uhr.
Bei unserem vierjährigen Sohn ist es allerdings schon länger so, dass er häufig nicht zum Papa möchte. Wenn das Papa-Wochenende ansteht, sagt er immer wieder: „Ich will nicht zu Papa“ und teilweise sogar sehr deutlich: „Ich hasse den Papa.“
Ich möchte solche Aussagen bei einem Vierjährigen weder überbewerten noch ihm etwas in den Mund legen. Gleichzeitig möchte ich sie aber auch nicht einfach ignorieren, weil sie immer wieder vorkommen und ich merke, dass ihm der Wechsel zum Papa schwerfällt.
Momentan hole ich ihn freitags nachmittags aus der Kita ab. Wir fahren nach Hause und er kommt dort erst einmal wieder bei mir an. Etwa eine Stunde später kommt dann sein Papa. Teilweise sitzt man noch kurz zusammen oder trinkt einen Kaffee, und anschließend muss unser Sohn sich wieder von mir verabschieden und mit seinem Papa fahren.
Ich habe das Gefühl, dass dieser doppelte Übergang die Situation für ihn zusätzlich erschwert. Deshalb würde ich es gerne so verändern, dass sein Papa ihn freitags direkt aus der Kita abholt. Dann würde ich ihn morgens wie immer in die Kita bringen und für ihn wäre klar: Nachmittags kommt Papa und das Papa-Wochenende beginnt.
Der Vater möchte die bisherige Abholung bei mir zu Hause allerdings gerne beibehalten.
Mir geht es nicht darum, den Umgang einzuschränken oder dem Vater die Kinder vorzuenthalten. Mir ist wichtig, eine Regelung zu finden, die für unseren Sohn möglichst klar, ruhig und vorhersehbar ist und ihm einen zusätzlichen Abschied erspart.
Mich beschäftigt aber auch sehr, wie ich damit umgehen soll, dass ein vierjähriges Kind regelmäßig sagt, dass es nicht zum Papa möchte und sogar „Ich hasse den Papa“ sagt.
Wie würdet ihr mit solchen Aussagen umgehen?
Wie kann man herausfinden, ob ein Kind hauptsächlich Schwierigkeiten mit dem Wechsel und der Trennung von einem Elternteil hat oder ob hinter dieser starken Ablehnung möglicherweise noch etwas anderes steckt?
Und könnte eine direkte Abholung aus der Kita aus fachlicher Sicht hilfreich sein, weil der Zwischenstopp bei mir zu Hause und ein erneuter Abschied wegfallen würden?
Ich freue mich sehr über Erfahrungen anderer Eltern und besonders auch über eine fachliche Einschätzung.
Hallo Claudia82,
willkommen im Elternforum. Mein Nickname ist bke-Stephan-Bäcker und ich gehöre zum Moderationsteam.
Sie haben nach Beiträgen der anderen Eltern gefragt. Manchmal dauert es ein wenig, bis die Eltern schreiben. Ich wollte jetzt aber Ihren Beitrag nicht einfach so stehen lassen und hoffe es ist ok, wenn ich nicht als Betroffener, sondern als Berater schreibe. Sie haben ja auch nach einer fachlichen Einschätzung gefragt. Und wir haben dieses Mal etwas lange gebraucht, um zu antworten. Dafür bitte ich um Entschuldigung.
Sie haben, trotz der nicht ganz so einfachen Situation, kluge und sachliche Ideen, die mir gut gefallen. Als ich gelesen habe, dass Sie die Aussage eines 4-jährigen anders einordnen, als die eines größeren Kindes fand ich das prima. Auch, dass Sie Druck nehmen wollen, in dem sie z.B. die Übergabesituation spannungsfreier gestalten wollen hat genau dem entsprocchen, was ich dachte, Ihnen als Antwort zu schreiben. Aber dann haben Sie das schon selbst getan :-).
Jetzt hört sich alles, was Sie schreiben, für mich vernünftig an. Vielleicht hat der Vater der Kinder aber auch vernünftige Gedanken, hat wirklich gute Gründe, warum z.B. die Übergabe daheim für ihn die beste Form ist. Kann sich die Ängste des Jüngsten auch nicht erklären. Wie gesagt, vielleicht. Deshalb wäre es gut, wenn Sie sich austauschen könnten. Wenn das alleine nicht geht, vielleicht in einer Beratungsstelle? Es ginge auch hier in einem gemeinsamen Elternchat, sollten Sie beide das wollen.
Das sind meine ersten Überlegungen. Können Sie damit etwas anfagen? Und natürlich wäre ich auch sehr interessiert, wie andere Eltern darüber denken.
Ihnen viele Grüße
bke-Stephan-Bäcker